Der Dazio Vecchio diente bis zum Bau der Strasse durch die Piottino-Schlucht 1560 als Zollhaus.

Wirtschaftliche und politische Bedeutung

Die Öffnung der Schöllenenschlucht rückte das Tessin und die Lombardei ein grosses Stück näher an die Innerschweiz und führte zu einer bedeutenden Vergrösserung des Absatzgebietes für Milch- und Fleischprodukte. Vor allem wirtschaftliche Interessen liessen die Gotthardroute immer mehr zum Spielball der Machtpolitik werden. Insbesondere das Land Uri betrieb seit dem 15. Jahrhundert eine aktive Machtpolitik, indem mit Urseren ein Landrecht abgeschlossen wurde, um das Tal enger an sich zu binden. Mit dem gleichzeitigen Vorstoss über den Gotthard in die Leventina zu Beginn des 15. Jahrhunderts und der Unterwerfung von Bellinzona im Jahr 1419 kontrollierte Uri den wichtigsten Teil der Passroute.

Vom Handelsverkehr über den Gotthardpass profitierten sowohl die herrschenden Familien, die Kaufleute wie auch weite Teile der ansässigen Bevölkerung. Die wirtschaftliche Bedeutung des Gotthardhandels ist in den letzten Jahren jedoch stark relativiert worden. Gesamthaft gesehen war er für die wirtschaftliche Entwicklung Mailands, des Tessins, der Innerschweiz, des Mittellandes, Basels und des südwestdeutschen Raums von Bedeutung. Eine dominierende Rolle für den Handel zwischen Italien und Nordeuropa hatte der Gotthard im Mittelalter und in der frühen Neuzeit aber nicht. Der weitaus grösste Teil der Güter im Nord-Süd-Verkehr wurde vor allem über den Brenner und über die Bündner Pässe transportiert.