Die Kunststrasse durch die Piottino-Schlucht unterhalb Rodi-Fiesso. Touristen posieren am Eingang der Schlucht unter einer steinernen Halbgalerie.

Der Bau der Kunststrasse im 19. Jahrhundert

Im 17. und 18. Jahrhundert begannen einzelne Staaten, ihre Verkehrsinfrastrukturen systematisch auszubauen. Frankreich überzog sein Land mit einem Netz von Chausseen und Bern eiferte als erster Schweizer Stand diesem Beispiel nach. Nachdem der Simplon unter Napoleon und in den Jahren 1807 und 1808 auch die Bündner Pässe Splügen und San Bernardino gute Alpenstrassen erhielten, nahm die Verkehrsfrequenz über den Gotthardpass spürbar ab. Angesichts des leeren Urner Staatssäckels überrascht es nicht, dass die Initiative zum Bau einer Strasse über den Gotthard von Basel, von Mailand und vom Tessin ausging. Durch den Bau der Sustenstrasse verzögerte sich der Bau der Gotthardstrasse um ein ganzes Jahrzehnt; erst zwischen 1820 und 1830 wurde der Urner Abschnitt der neuen Kunststrasse erstellt.

Mit der durchgehenden Strasse von Flüelen ins Tessin brach über den Gotthardpass das Postkutschen-Zeitalter an. Ab 1832 verkehrte einmal und ab 1834 dreimal pro Woche eine Kutsche über den Pass. 1842 wurde eine tägliche Verbindung von Luzern nach Mailand eingerichtet, die damals 31 Stunden dauerte. Der Reise- und der Güterverkehr wuchsen enorm an, als 1837 anstelle der langsamen und wetterabhängigen Ruderfähren Dampfschiffe auf dem See verkehrten. Nach der Eröffnung der Axenstrasse im Jahr 1865 nahm der Verkehr weiter zu. Man schätzt, dass um 1870 rund 70 000 Reisende und 10 000 bis 20 000 Tonnen Güter auf der Passstrasse befördert wurden.