Geschichte

Orte und Wege, die seit Urzeiten von Menschen genutzt und begangen werden, haben eine ganz spezielle Atmosphäre. Lepontiner, Römer und Walser, Jäger, Soldaten, Schmuggler, Partisanen und Kaufleute wählten den Albrunpass (Bocchetta d’Arbola) als Übergang.

Während Jahrtausenden eine wichtige Verbindung
Vermutlich wurde der Albrunpass schon in der jüngeren Eisenzeit begangen. In römischer Zeit gewann der Pass an Bedeutung, was durch mehrere  Grabfunde  im  Binntal  untermauert  wird.  Auch  im  Mittelalter war der Verkehr über den Albrunpass bedeutend, wobei ab dem 11. Jahrhundert der Simplonpass wichtiger wurde. Die Walser benutzten den Pass Anfang des 13. Jahrhunderts für die Besiedlung des Valle d’Ossola. Im 15. Jahrhundert, als durch die kriegerischen Konflikte des Wallis mit der Lombardei die Begehung des Simplonpasses erschwert war, diente der Albrunpass als Ausweichroute. Wein, Getreide, Stoffe und Gewürze wurden nach Norden, Salz, Käse und Vieh nach Süden transportiert.

Baudenkmal von nationaler Bedeutung
Eine Schlüsselstelle auf dem Weg Richtung Italien war die unwegsame Twingischlucht. Im Winter war der Saumweg kaum begehbar. Das war auch der Grund dafür, dass das Dorf Binn sich als erste Pfarrei im Untergoms bereits Ende des 13. Jahrhunderts von der Mutterpfarrei Ernen lösen durfte. Als die Engländer Mitte des 19. Jahrhunderts das Binntal – vor allem wegen seiner Mineralien – entdeckten, wurde der Weg durch die Twingi zwar ausgebaut. Der Bau einer Strasse wurde aber erst nach dem Ersten Weltkrieg, im Jahr 1929, in Angriff genommen. 1938 war es endlich so weit: Das erste Postauto fuhr bis nach Binn. Aber auch nach der Eröffnung der Strasse war diese in den Wintermonaten oft nicht passierbar. Deshalb wurde 1964 die Twingischlucht mit einem 1.8 km langen Tunnel umfahren. In der Folge verfielen die Kunstbauten der alten Strasse zusehends. Ein geschichtlich und strassenbaulich wertvolles Denkmal – vom IVS (Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz) als Baudenkmal von nationaler Bedeutung eingestuft – drohte verloren zu gehen.

Sanierung der historischen Twingistrasse.
In den Sommermonaten 2010 bis 2013 hat der Landschaftspark Binntal
in Zusammenarbeit mit den Gemeinden Binn und Ernen in einem auf
wendigen Projekt die historische Fahrstrasse durch die Twingi saniert.
Mit der Renovation konnte die Originalsubstanz der Strasse wieder her-
gestellt werden.