Saumweg auf der Passhöhe

Geschichte des Saumverkehrs

Die Anfänge

Die Route über die Alpenpässe Grimsel–Gries, mit Einbezug der Sekundärübergänge Brünig und Jochpass, war zeitweise wohl eine wichtige Nord-Süd-Achse, erreichte aber nie die europäische Bedeutung wie etwa Julier, Splügen, Gotthard oder Grosser Sankt Bernhard. Der Hauptgrund dafür ist , dass die Alpen nicht mit einem einzigen Übergang sondern in einer Kombination von Pässen überwunden werden mussten. Trotzdem ist aufgrund einiger archäologischer Funde anzunehmen, dass die Pässe der ViaSbrinz bereits in prähistorisch-römischer Zeit begangen wurden. Dazu zählen beispielsweise Streufunde auf dem Kirchet oder bei Ägerstein, oder bedeutende römische Siedlungsspuren von Wyler bei Innertkirchen und Alpnach.

Der Vertrag von 1397

Ein grösserer Handelsverkehr mit überregionaler Bedeutung ist im Spätmittelalter bis in die Neuzeit festzustellen. Dazu beigetragen hat der Vertrag von 1397 zur Sicherung einer transalpinen Handelsverbindung über die Grimsel-Gries-Route. Die Kaufleute von Mailand waren an sicheren Verkehrswegen über die Alpen und einem Netz von Susten (Lagerhäusern) und vertraglich eingebundenen Transportorganisationen interessiert. Der Vertrag vereinigte die Vertreter aus dem Hasli, aus dem Goms und aus dem Pomat, aus den Städten Unterseen und Thun und aus der Stadt Bern. Die Parteien verpflichteten sich für die Herstellung der Rechtssicherheit für den freien, ungefährdeten Warentransport und für die Errichtung und den Unterhalt der Verkehrsinfrastruktur.

Das Transportgut

Der Saumverkehr von Nord nach Süd umfasste in erster Linie Käse (Vollfetthartkäse aus den Produktionsgebieten des östlichen Berner Oberlands und der westlichen Innerschweiz) und Vieh (vor allem Schlachtvieh). Später wurden auch speziellere Produkte wie Häute, Tabak, Arzneien, Gerätschaften und anderes mehr ausgeführt, und zwar hauptsächlich über den Markt von Domodossola. Von Süden nach Norden gelangten Wein, Mais, Reis, Öl, Spezereien und handwerkliche Fertigprodukte wie zum Beispiel Eisenwaren.
Nicht unbedeutend war der Salzhandel, der in der früheren Neuzeit über den Brünig betrieben wurde. Es handelt sich vor allem um Salz aus Tirol, mit dem sich die Innerschweiz versorgte, das aber auch ins Berner Oberland und sogar ins Wallis gelangte.

Organisation Säumerei

Über Jahrhunderte wurde der Warentransport von Säumern aus allen Talschaften betrieben. Für das 18. Jahrhundert kann die regionale Herkunft der Säumer anhand der überlieferten 31 Jahrrechnungen der Kirchgemeinde Münster proportional bestimmt werden. Aufgrund der Herkunftsangaben verteilen sich die Säumer zu etwa 45% auf das Goms, zu 30% auf das Pomat und zu 5% auf das Oberhasli. Die restlichen 20% der Transporteure sind nicht lokalisierbar. Vielleicht handelt es sich um Säumer aus der Innerschweiz.
Im 19. Jahrhundert fanden sich unter den Säumen fast nur noch Walser aus dem Pomat (Formazzatal). Gewöhnlich fanden sich vierzehntäglich grössere Säumerkolonnen aus dem Pomat im Landhaus Meiringen ein. Nach einem Bericht der Berner Regierung von 1841 sollen alljährlich im Durchschnitt 2300 Maultiere über die Grimsel geführt werden.