Vom Transitkorridor zum Kulturweg ViaStockalper
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert wächst der Transitverkehr über die Alpen stark an, und der Simplonpass erlebt eine neue Blüte: Um 1870 stehen auf der Simplonstrecke um die 170 Zugpferde im Einsatz. Der Bau der alpenquerenden Eisenbahnlinien führt aber bald zum erneuten Zerfall des Passverkehrs. Schon die Eröffnung des Gotthardtunnels 1882 lässt den Verkehr am Simplon stark zurückgehen; vollends bricht er mit der Eröffnung des Simplontunnels im Jahr 1906 zusammen. Die Passregion muss sich wirtschaftlich neu ausrichten.
Die Napoleon- wird zur Nationalstrasse
Keine 50 Jahre später erhält die Passstrasse im Zuge der allgemeinen Motorisierung der Nachkriegszeit ihre Bedeutung aber wieder zurück. 1960 wird die Simplonroute als Nationalstrasse 3. Klasse ins schweizerische Nationalstrassennetz aufgenommen und in den folgenden Jahren massiv ausgebaut. Im Gantertal und für die Umfahrung von Simplon-Dorf entstehen zwei neue Grossbrücken, sonst folgt die Baulinie der Nationalstrasse aber weit gehend der Napoleonstrasse, die damit bis auf kurze Teilstücke zerstört wird.
Eine neue Funktion für den Stockalperweg
Aber auch die ältere historische Bausubstanz ist gefährdet: Für die Bedürfnisse der Landwirtschaft soll ein Stück des historischen Saumweges in einen asphaltierten Flurweg umgebaut werden, und weitere Verluste scheinen absehbar. In dieser Situation sprechen sich verschiedene Interessierte für die Bewahrung der historischen Wege aus und suchen für sie nach einer neuen Funktion. So wird in den 1990er-Jahren der historische Saumweg als «Stockalperweg» reaktiviert und zur Leitlinie des «Ecomuseum Simplon» gemacht, das die Zeugen der Kultur- und Verkehrsgeschichte am Simplon umfasst. Das Ecomuseum ist der Kern der ViaStockalper, die im Rahmen des Projekts Kulturwege Schweiz nun auch das lokale Gewerbe und Gastgewerbe in das Angebot einbezieht und damit den Gedanken der volkswirtschaftlich gewinnbringenden Nutzung der historischen Verkehrswege konsequent weiterführt.

