Die Route

Die ViaCook folgt der 1863 von Thomas Cook vorgegebenen Route. Sie kann in den unten stehenden 16 Tagesetappen zurückgelegt werden – zu Fuss und in historischen Verkehrsmitteln. Jemima Morrells Reiseeindrücke von 1863 (Zitate) werden ergänzt durch konkrete Vorschläge, wie die historische Reiseroute heute am besten erkundet werden kann.

Genf–Chamonix-Mont-Blanc (F)
Sonntag, 28. Juni 1863. Zum Reiseauftakt in Genf, «diesem Bollwerk des Protestantismus», besuchen die Engländer einen Gottesdienst in der Anglikanischen Kirche. Später fragen sie sich bis zum Geburtshaus von Jean-Jacques Rousseau durch und besichtigen die Kathedrale. Am nächsten Tag bringt sie die Kutsche nach Chamonix. Von hier brechen sie mit einem Bergführer nach Le Montenvers (F) auf. Angesichts der Mer du Glace fehlen selbst Jemima Morrell die Worte.

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Chamonix-Mont-Blanc–Martigny
Cooks Gruppe gelangt über den Col de la Forclaz ins Rhonetal. Heute empfiehlt sich der Weg durch die schmucken Dörfer Finhaut und Le Trétien im Vallée de Trient. Mit dem Bau der Kutschenstrasse nach Vernayaz erlebte das Trienttal im 19. Jahrhundert eine Blütezeit.

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Martigny–Sion
In Martigny besteigt Cooks Gruppe den Zug nach Sion. Allerdings offenbart sich die Schönheit des Rhonetals am besten zu Fuss! Im Frühling und Sommer wandert man heute unter Aprikosenbäumen am südlichen Ufer. Eine reizvolle Alternative im Herbst ist der Chemin du vignoble (Branson–Saillon).

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Sion–Sierre
Ein Abendspaziergang zu Sions Wahrzeichen, dem Schloss Valère und der Burganlage Tourbillon, bleibt Jemima Morrell besonders in Erinnerung. Die Reisegruppe legt den Weg weiter nach Sierre in der Kutsche zurück und verpasst damit ein einzigartiges Walliser Kulturgut: die «Suonen» (französisch «bisses») genannten Bewässerungskanäle in der Schlucht des Flusses La Liène.

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Sierre–Leuk
In Sierre legt die Kutsche einen Halt ein, damit sich die Touristen mit «limonade gazeuse» erfrischen und durch die Gassen streifen können. Besonders im Frühling und Herbst ist es herrlich, hoch über der Rhone zu wandern. Sehenswert sind das Winzerdorf Muraz, das Künstlerdorf Veyras, wo Rainer Maria Rilke einst wohnte, die Raspille-Schlucht, das Walliser Rebmuseum im Zumofenhaus von Salgesch und der Ort Varen. Eine alternative Route führt durch den Pfynwald, einen der grössten urwüchsigen Föhrenwälder der Alpen.

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Leuk–Leukerbad
Die Engländerinnen winken den neugierigen Leukern aus der Kutsche nur kurz zu, schliesslich ist das Ziel nahe, die «Sommerstadt der Bäder und Chalet-Hotels», Leukerbad. Zu Fuss erreicht man es heute auf historischen Saumwegen und einer alten Eisenbahntrasse, vorbei an der Wegkapelle St. Barbara und über eine Brücke aus dem 16. Jahrhundert. In Leukerbad ist der Heilbadweg in der Dalaschlucht spannend – und ein Besuch in einem der Thermalbäder entspannend.

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Leukerbad–Gemmipass
In Leukerbad verbringen Cooks Reisende eine kurze Nacht, bevor sie frühmorgens halb heimlich, halb amüsiert den Badebetrieb beobachten. Dann machen sie sich mit Führern und Maultieren zum Gemmipass auf. Der von Tirolern erbaute Saumweg von 1739/41 führt durch die damals wie heute unpassierbar wirkende Daubenwand hinauf zum Gemmipass. Mit etwas Glück können Bartgeier gesichtet werden.

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Gemmipass–Kandersteg
Auf dem Gemmipass veranstaltet Cooks Gruppe, der selbst ernannte «Junior United Alpine Club», in praller Sonne eine Schneeballschlacht. Jemima Morrell schwärmt von der grandiosen Aussicht auf das Monte-Rosa-Massiv, auf Weisshorn, Matterhorn und Dent Blanche. Noch heute führt der historische Saumweg am Daubensee vorbei zum geschichtsträchtigen Berghotel Schwarenbach. Mit seinen vielen Kehren und Geländern erinnert der historische Fahrweg hinunter nach Kandersteg Jemima Morrell an ein gigantisches Treppenhaus.

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Kandersteg–Wengen
Frühmorgens besteigt Cooks Reisegruppe in Kandersteg eine Lohnkutsche, «einen klapprigen alten Karren, gezogen von einem Paar groschlächtiger Pferde», wie Jemima Morrell ungeschminkt festhält. Die Reise führt nach Spiez, wo das nach Fahrplan verkehrende Dampfschiff erreicht werden muss. Ziel sind die berühmten Staubbachfälle bei Lauterbrunnen – dieser Klassiker ist noch heute eine Reise wert.

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Wengen–Giessbach
In Interlaken besteigen die Engländerinnen und Engländer ein Dampfschiff, das sie über den Brienzersee nach Giessbach bringt. Da sämtliche 150 Betten des damaligen Hotels belegt sind, muss die Gruppe in einer Dépendance Quartier nehmen. Heute bilden Schiffstation, Standseilbahn, das heutige Grandhotel Giessbach (1875) und die Wasserfälle zusammen ein Ensemble, das wie kaum ein anderer Ort das Reisegefühl des späten 19. Jahrhunderts aufleben lässt.

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Giessbach–Luzern
Per Dampfschiff geht es für die Tourismuspioniere wieder nach Brienz. Die anschliessende Fahrt mit der Kutsche über den Brünigpass erweist sich auf der neuen Strasse als äusserst angenehm, und Jemima Morrell lobt die Schweizer Strassenbauer in höchsten Tönen. Über Stans und Alpnachstad erreicht Cooks Gruppe so recht komfortabel den Vierwaldstättersee und besteigt das Dampfschiff nach Luzern.

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Luzern–Rigi Kulm
Der Weg von Weggis nach Rigi Kaltbad ist ein Zeuge der einsetzenden Tourismusindustrie zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Wie an vielen anderen Orten stand den ersten Touristen eine ältere Pilgerinfrastruktur zur Verfügung, hier von der Wallfahrt zum Kaltbad.

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Rigi Kulm–Solothurn
Am 9. Juli 1863 steht Jemima Morrell mit ihrer Gruppe auf dem Gipfel der Rigi, um den viel beschriebenen Sonnnenaufgang und das Panorama zu betrachten. Zur späteren Zugfahrt über Olten nach Solothurn notiert Morrell: «Die hübsche Luzerner Gegend zog an uns vobei, Wachttürme, Städtchen wie Sempach und sein See, bis wir die zentrale Kreuzungs- und Umsteigestelle der Schweizer Bahn erreichten. Englische Touristen standen auf den Perrons.»

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Solothurn–Neuchâtel
Schon 1855 befahren motorisierte Flussschiffe von Solothurn aus die Aare und den Bielersee, ab 1860 zieht hier die Schweizerische Centralbahn aber allen Verkehr und somit auch Cooks Reisegruppe an sich. In Neuenburg angekommen, denkt Jemima Morrell mit Wehmut an den bevorstehenden Abschluss der Reise: «Vom Flachdach des Hotels aus hatten wir einen guten Ausblick auf die Juraketten [...]. Die Szenerie machte uns deutlich, dass unser Aufenthalt in der Schweiz zu Ende ging.»

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Neuchâtel–Travers
Cooks Reisegruppe kauft am letzten Tag ihrer Schweizerreise eine der schon damals weltberühmten Neuenburger Qualitätsuhren und setzt sich danach in den Zug nach Paris. Heute steigt man in Neuenburg am besten gar nicht in den Zug, sondern folgt der Seepromenade südwestwärts und zweigt in Boudry in die Areuseschlucht ein. Die 1875 errichtete Weganlage duch die Schlucht überwindet in einer Folge von eindrücklichen Brückenbauten, Treppen, Felswegen, Galerien und Stegen rund 300 Meter Höhe.

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Travers–Pontarlier (F)
Jemima Morrell schreibt über das Zollprozedere an der schweizerisch-französischen Grenze im Jahr 1863: «An der Grenze wurde der Zug geräumt. Wir hatten uns vor einem halbkreisförmigen Gerichtstisch aufzustellen, wurden ausgefragt, während ein Zöllner die anstrengende Arbeit des Auspackens übernahm und dabei bis zu den Zahnbürstchen vordrang.» Die Untersuchung nimmt dank einer freundlichen Beamtin ein gutes Ende. Heute wandert man zu Fuss und unbehelligt nach Frankreich.

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