Lugano, «Südschweizerisches Sonnenland»: Plakat von Otto Baumberger, 1924.

Geschichte

Was wäre der Gotthardpass ohne seine Zufahrten? Aus drei Richtungen erreicht die ViaGottardo den zentralen Alpenpass: von Chiasso im Süden, von Schaffhausen im Nordosten und von Basel im Nordwesten der Schweiz. Unterwegs lassen sich vielfältige Spuren dieser Verkehrsbeziehungen entdecken.

Wie keine andere Route der Schweiz hat die Transitverbindung über den Gotthard die Landschaft geprägt. Dabei stehen Jura und Mittelland als Verkehrslandschaften seit jeher im Schatten der symbolträchtigen Monumente des Gotthardtransits: Die Teufelsbrücke verkörpert die folgenreiche Öffnung der Zentralschweiz im Mittelalter, die Tremolastrasse den bahnbrechenden Kunststrassenbau durch die Alpen, die Gotthardbahn den Siegeszug der Industrialisierung, der Autobahntunnel die Massenmotorisierung und sonnige Ferienträume, die Neue Eisenbahn-Alpentransversale Neat eine zukunftsweisende Verlagerung des Transitverkehrs auf die Schiene.

Die Gotthardroute ist heute die bedeutendste Nord-Süd-Verbindung durch die Schweiz. Wirtschaftlich gesehen kann ihr dieser Status jedoch frühestens seit der Eröffnung des Eisenbahntunnels im Jahr 1882 zugeschrieben werden. Für das Selbstverständnis der Schweiz hat der Übergang jedoch nicht nur im Kontext mit Handel und Verkehr einen hohen Stellenwert. Als Verbindung durch die Geburtsstätte der Eidgenossenschaft, als Ort, wo drei verschiedene Kulturen aufeinander stossen und als Zentrum des Réduits während der beiden Weltkriege entwickelte sich der Gotthard im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts zu einem nationalen Mythos.