Die Inschrift am Restaurant in Gabi lügt: Napoleon war gar nie am Simplonpass.

Napoleon Bonaparte läutet am Simplon das Zeitalter der Alpenstrassen ein

Nach dem Sturz Stockalpers versucht Savoyen ab 1679 mit Erfolg, den Transitverkehr vom Simplon auf den Mont Cenis zu leiten. Die beträchtliche Abnahme des Verkehrs und damit der Gebühren für den Strassenunterhalt sowie die Nachlässigkeit der Gesellschaften, die vom Staat Wallis mit dem Unterhalt und der Reparatur der Simplonstrasse beauftragt worden sind, führen zum schnellen Verfall des Saumweges.

Der Durchmarsch von spanischen, dann französischen und österreichischen Truppen über den Simplon verleiht dem Pass in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aber eine strategische Dimension, die Napoleon, der Kaiser der Franzosen (1804) und König der Italiener (1805), rasch erkannt hat. Im Mai des Jahres 1800 überschreitet er mit seiner Armee den Grossen Sankt Bernhard für einen zweiten italienischen Feldzug gegen die Österreicher, die er bereits in Marengo besiegt hat. Gleichzeitig überquert General Béthencourt mit tausend Mann den Simplon für eine Nebenoperation. Bereits im September des gleichen Jahres verabschiedet Napoleon ein Dekret über die Konstruktion einer Fahrstrasse über den Simplon.

Für Napoleon kommt die Strasse zu spät

Die Arbeiten beginnen im März 1801. Sie werden geleitet vom Ingenieur Nicolas Céard. Das Projekt einer sommers wie winters mit Kanonen befahrbaren Strasse sieht zwischen Schallbett und Gabi Tunnels und Galerien von rund fünfzehn Kilometern Länge vor, die aber nicht gebaut werden. Bedingt durch administrative Schwierigkeiten, die falsche Ausführung einzelner Abschnitte und mangelnde Zusammenarbeit zwischen Franzosen und Italienern ist die Fahrstrasse zwischen Glis und Domodossola erst im Oktober 1805 fertig erstellt – gerade zu spät für die Passage von Napoleon auf seinem Weg nach Mailand, wo er im Mai gekrönt wird.

Entlang der Strasse lässt Céard auch mehrere Schutzhäuser bauen, die den Bauarbeitern und den Reisenden als Unterkunft dienen sollen und die heute noch weit gehend erhalten sind. Das technische Wunderwerk und die dramatischen Landschaften entlang der neuen Strasse rufen bei den Reisenden Bewunderung hervor und ziehen die Aufmerksamkeit der Maler der Romantik auf sich. Doch der Tourismus des 19. Jahrhunderts wendet sich schnell anderen alpinen Übergängen, ab 1830 vor allem dem Gotthard. Dem Transitpass Simplon steht eine wechselhafte Zukunft bevor.