Inschrift Stockalpers am Feerberg

Kaspar Stockalper, der «König am Simplon»

Kaspar Stockalper wird am 14. Juli 1609 geboren. Im Alter von kaum 24 Jahren unternimmt er eine Studienreise durch Europa. Seine Rundfahrt führt ihn nach Frankreich, Belgien und in die Niederlande, wo er in die Geheimnisse des internationalen Handels eingeführt wird. Als Reaktion auf die Verschlechterung der Verkehrsbedingungen am Gotthard und auf die Beeinträchtigung der Sicherheit als Folge des Dreissigjährigen Krieges (1618–1648) reaktiviert er die Simplonroute und bietet einen sicheren und schnellen Transport an. Sehr schnell erhält er das Monopol für den Transport aller Transitgüter (1639) und das Salzmonopol (1647).

Um die Transportkosten und damit den Verkaufspreis des wertvollen Salzes senken zu können, schlägt Kaspar Stockalper dem Landrat vor, zwischen Vouvry und Collombey einen schiffbaren Kanal zu eröffnen; das Projekt wird zwischen 1651 und 1659 realisiert. 1673 richtet Stockalper auf eigene Kosten eine Pferdepost ein, die die Städte Genf und Mailand in acht Tagen verbindet. Auch für diesen Transportdienst spricht ihm der Walliser Landrat das Exklusivrecht zu.

Vom «König»…

Kaspar Stockalpers Handelsimperium am Pass ist inzwischen derart mächtig, dass man am Hof von Louis XIV. von ihm als dem «König am Simplon» spricht. Zudem betreibt er im ganzen Wallis zahlreiche Eisen-, Blei-, Kupfer- und Goldminen, und auch aus Söldnerdiensten bei verschiedenen Konfliktparteien schlägt er Kapital. Stockalpers Reichtum wird zur Legende: Man berichtet, dass der Handelsherr auf einer Reise von Mailand nach Lyon jede Nacht in einem eigenen Haus verbringen konnte. Zahlreiche Titel und Ehrungen sind ihm verliehen worden, nicht nur im heimatlichen Wallis, sondern auch im Ausland.

… zum Vertriebenen

Nach vierzig Jahren uneingeschränkter Macht melden sich kritische Stimmen in seiner Heimat. Stockalper wird aus verschiedenen Gründen angeklagt, besonders wegen des Missbrauchs vom Salzmonopol, und er ist 1679 genötigt, ins Exil zu gehen. Eine günstige politische Situation ermöglicht ihm zwar 1685 die Rückkehr – allerdings unter der Bedingung, dass er sich fortan ruhig verhalte. Sechs Jahre später stirbt Stockalper in seinem Schloss in Brig. Als einem genialen Unternehmer ist es ihm gelungen, die geografische Lage des Wallis mitten in einem aufgewühlten Europa auszunutzen. Er hat seine persönlichen Interessen verfolgt und dabei doch zum ökonomischen Aufschwung des Landes beigetragen. Nach Stockalpers Abgang zerfällt seine Transportorganisation bald, und in der Folge wird das Wallis vom internationalen Verkehr erneut gemieden – bis wiederum fremde Kräfte das Heft in die Hand nehmen; diesmal ist es Napoleon Bonaparte.