Salz, Saum und Wein
Der Handel entlang der ViaValtellina wurde über Jahrhunderte auf einfachen Saumwegen mit Maultieren, Rossen und – vor allem im Winter – mit Ochsen und Schlitten abgewickelt. Es war ein hartes und mühsames Geschäft, für die kargen Gebirgsgegenden aber eine Notwendigkeit. Hauptexport war das Grossvieh, das auf den Märkten von Lugano, Tirano und dem Vinschgau verkauft wurde, umgekehrt kamen Zuchtvieh und Pferde aus dem Allgäu, Tirol und Montafon. Das lebensnotwendigste Importgut war Salz, das aus Hall im Tirol, aus Bayrisch Hall oder aus Venedig (Meersalz) stammte. Neben dem Salz war der Wein das häufigste Einfuhrgut. Er war gleichzeitig Getränk, Zahlungsmittel, Lohnbestandteil und Hausmittel. Manche der führenden Familien verfügten über eigene Rebberge im Veltlin oder bezogen ihre Zinsen in Form von Wein. Landammänner und ehemalige Veltliner Amtsleute betätigten sich im Weinhandel.
Viele Übergänge zwischen Chiavenna und Bormio kamen für den Weintransport in Frage: der Maloja- und Splügenpass, der Murettopass von Sondrio nach Maloja oder von Bormio aus die Pässe Fraele und Umbrail nach Sta. Maria. Seit dem 16. Jahrhundert ging der Hauptexport jedoch vornehmlich über den Bernina- und Scalettapass.
