Bauern, Gastgeber und Techniker
Bis in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebten die Leute an unserem Weg fast ausschliesslich von der Landwirtschaft, im Veltlin zusätzlich vom Wein. Der nun aufkommende Tourismus sollte das Leben in den Alpen verändern. Er erreichte 1914 einen ersten Höhepunkt. Entscheidend für diese rasante Entwicklung war der Bau der Alpenstrassen und der Alpenbahnen. 1910 wurde das letzte Teilstück der Berninabahn von Morteratsch bis Alp Grüm eröffnet.
Seit den 1950er Jahren gerieten auch die Alpen in den Sog der unaufhaltsamen Mechanisierung. Gewachsene Formen der Bewirtschaftung wie die Maiensässwirtschaft im Puschlav und Veltlin wurden teilweise aufgegeben. Maiensässhütten werden zu Ferienhäusern umgebaut oder zerfallen. Neue Architektur verdrängt traditionelle Bauweisen, im Walsergebiet ebenso wie im Engadin oder im Puschlav. Vom Verkehr geprägte Siedlungsmuster wie die Strassendörfer La Punt oder Pontresina erhalten ein neues Gesicht. Die Mobilität beeinflusst die Sprache. Das Romanische im Oberengadin wird immer mehr vom Deutschen verdrängt.
Die ViaValtellina ist deshalb eine Reise der Gegensätze, des Wandels. Eine Reise durch die Zeit.
